Kürzlich war Roland Albrecht im Kino und sah den Film "Eine dunkle Begierde", der von der Freundschaft und den Diskrepanzen zwischen den beiden Psychiatern Sigmund Freud und Carl Gustav Jung handelt. Auf dem Weg nach Hause entdeckte er plötzlich das Glas eines Spiegels. Am nächsten Morgen begann der Spiegel seine Geschichte zu erzählen und berichtete von Freuds Forschungen zum Narzissmus. Dabei erwähnte der Spiegel die Basilisken - ein interessantes Phänomen der Sagenwelt. "Der Basilisk taucht urkundlich erstmals 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung auf. Die ältesten Beschreibungen beziehen sich auf Vorkommnisse in Nordafrika. Der Basilisk wird dort als besonders giftig beschrieben, als ein Wesen, das mit dem Blick tötet. Die Kreuzritter brachten den Basilisken mit nach Mitteleuropa. Hier passte er sich in seinem Aussehen und seinem Wirken den Sitten und Gewohnheiten der hier lebenden Menschen an. Er hat einen Schlangenschwanz, einen Hahnenkopf, Hahnenbeine und Flügel, mit denen er nicht fliegen kann."
Der Basilisk ist ein ungeliebtes und verstoßenes Wesen. "Es sitzt verlassen, angstvoll in einem Loch, in feuchten Kellern, in Zisternen, allein, immer darauf bedacht, nicht gesehen zu werden, aber mit der Sehnsucht, von allen bestaunt und bewundert zu werden, immer in höchster Vorsicht und Aufmerksamkeit, damit sich nie mehr das Verlassenwerden wiederhole. Einen jeden, der ihm zu nahe kommt, schaut er so vergiftet an, dass jener augenblicklich durch seinen Blick tödlich zu Boden sinkt ..."
Hier sind die Bezüge zum Narzissten sehr nah, fast deckungsgleich. Auch er, der Narzisst, ward frühkindlich enttäuscht, zieht sich in sich zurück, sein Liebesbegehren ist nur noch auf sich selbst gerichtet, jedem begehrenden Objekt geht er aus dem Weg, verletzt die ihm Nahekommenden, leidet einsam in seiner Beziehungsangst ...
Das, was Freud naturgemäß am meisten interessierte, war: Wie kann man einen Basilisken wieder loswerden, wie kann ein vom Narzissmus Geplagter therapiert werden? Eine verbreitete und wirksame Methode war, dem Basilisken einen Spiegel vorzuhalten, in dem er sich selbst sah und sich selbst dadurch tötete. Eine solche Spiegelung sollte auch bei der Therapie von Narzissten helfen, so die Erkenntnis von Freud, die er in einem Brief vom 16.12.1908 an den Vorsitzenden der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung, Karl Abraham, zur Behandlung von Narzissmus schrieb: " ... Eine einfache Spiegelung hat für diese Menschen fatale Folgen, nicht nur, dass der Patient die Kur (Therapie) sofort abbricht, nein, oft fühlt er sich selbst als aufgelöst. ... Wenn man die Methode der Spiegelung verwendet, muss sie sehr niedrig dosiert eingesetzt werden."
Und er, der Spiegel, hatte einst selbst einen Basilisken getötet und ward erst jetzt, nach vielen Jahrhunderten, gefunden. Nur er konnte vom Freudschen Zusammenhang von Narzissmus und Basiliskmus erzählen.
Vor einigen Monaten fand Roland Albrecht in einer kleinen Prignitzer Heimatstube im Depot ein verstaubtes Bild, das ihn an den "Jungbrunnen" von Cranach dem Älteren erinnerte. Doch etwas war seltsam daran. Als Roland Albrecht dem Bild lauschte, vernahm er die Auflösung. "Als am 26. 2. 2011 gegen 12 Uhr Mittag die neuesten Ergebnisse der Suche nach einem Unterbild des berühmten Gemäldes "Der Jungbrunnen' präsentiert wurden, staunte das eingeladene Fachpublikum nicht schlecht. Vor dem sichtbaren Originalbild in der Gemäldegalerie zu Berlin wurde das bisher unsichtbare, nun sichtbar gemachte Unterbild erstmals gezeigt und über dessen Entstehungsgeschichte und Entdeckung referiert.
Das Unterbild des Gemäldes "Der Jungbrunnen' wurde in der Strahlenabteilung des Klinikum Charité aufwändig mit verschiedenen bildgebenden Verfahren wie Computertomografie untersucht, und es konnte ein genaues, scharfes, farbiges Bild des Übermalten dargestellt werden. Das verborgene Unterbild zeigt genau das Gegenteil des sichtbaren Bildes. Es stellt den Prozess des Alterns dar, das Leben. Auf diesem Bild werden nicht mehr alte Frauen in dem Brunnen verjüngt, sondern junge Frauen steigen rechts in das Brunnenbecken ein, um als reife oder alte Frauen aus der linken Seite des Brunnes zu treten. ... Mit der Entdeckung des 'Brunnen des Lebens' wie das Unterbild nun genannt wird, ist eine ganz neue Ära der Cranach d. Ä.-Forschung eingeläutet."
Eine weitere, unerhörte Geschichte handelt von einer "Frau Maria K., die sich nach monatelangem Hin und Her, nach vielen Gesprächen mit Freudinnen und Freunden entschlossen hatte, ihren immer wieder auftauchenden Traum abzugeben" und sich auf den Weg zu einer Traumabgabestelle machte. Gefunden hatte Roland Albrecht das Schild "Dr. Gerda H. Mayer, Traumabgabestelle - Depot, Archivierung, Zwischenlagerung, Stornierung, Revision, Endlagern, Sammlung, Eliminierung" in der Emaille-Manufaktur Angermünde. Die siebte Saite einer Gambe erzählt hingegen vom großen barocken Gambenspieler Marin Marais, der nach einer eindrücklichen Begebenheit das wohl meist improvisierte Flöten-Musikstück komponierte und die Gambe beiseite legte.
Mit seinem Museum war Roland Albrecht auch in diesem Jahr wieder auf Reise, so sechs Wochen lang im Kunsthistorischen Museum in Bonn. Aber mittlerweile findet sogar sein Depot der gefundenen Dinge Interesse. Es wurde in der "Galerie für Zahlenwerte 18 m" in Berlin gezeigt und ist noch bis Ende Januar im Kreuzberger "Museum der Dinge" (Oranienstr. 25) zu sehen. Sortiert sind die Fundstücke nach Gewicht. Wirklich unerhört!
(Museum: Crellestr. 5-6, 10827 Berlin-Schöneberg; Mi-Fr 15-19, ungerade Samstage 12-17 Uhr; Tel: 030/7814932; "Das Museum im Buch" , Wagenbach Verlag, 13,90 Euro)